Mein Schreibstuben-Blog

December 22, 2009

Leserbrief an Schweizer TV zu Vergewaltiger

Filed under: Leserbriefe, von mir an jemand — heidi @ 02:13

Am 29. September 1989 an SF1 geschrieben:   

Sehr geehrte Damen und Herren, Die Sendung war mutig und nützlich. Leider konnte ich dann gestern Abend die Reaktionen über die vergewaltigten Frauen nicht mithören. Aber grundsätzlich fällt mir immer wieder auf, dass in solchen Debatten und Aufklärungsversuchen bis jetzt ein Punkt einfach vergessen wurde:

Es gibt eine typische Opferhaltung. Psychologen bestätigen dies. Die gegenteiligen Haltung ist meines Erachtens, nachts allen männlichen Begleitern selbstbewusst, stark, angsfrei in das Gesicht zu blicken. Ich tue das immer, aus innerer Ueberzeugung. Dazu gehört für mich die Haltung: wenn du angegriffen oder auch nur bedroht wirst, weiche nie zurück, bluffe bis aufs Aeusserste und gehe auf den Typen zu, das Kinn leicht nach vorne geschoben … du kannst nur gewinnen. Das Ganze ist eine Sache der eigenen Vorprogrammierung im Kopf. Auch im Kopf des Verfolgers.

Es ist machbar, aber nur, wenn man daran glaubt. (Pardon, glauben darf und keine Angst hat, dabei echte oder eingebildete Weiblichkeit zu verlieren). Und Glaube ist fabrizierbar, genau gleich, wie jetzt mit diesen hysterisch schreienden Frauen in wenn auch nur gespielten Vergewaltigungsszenen den Frauen immer wieder die Opferrolle einsuggeriert wird – entspricht halt der gängigen Vorstsellung, gell. So hat Angepasstsein an seine Rolle halt seinen Preis.

Wollen Sie es nicht einmal anders herum versuchen? Gegenteilige Bilder zeigen?

Ja, übrigens, ich bin auch einmal  … // … habe von jenem Schock meinen Hass, nie mehr zurückzuweichen. Koste es, was es wolle.

Zweimal in meinem Leben hat es (diese Haltung) mir etwas gebracht:  das erste Mal bei meinem eigenen, jetzt geschiedenen Mann. Als er mich verprügeln wollte … prügelte ich zurück. Zwar war er stärker, aber mein verbissenes, tonloses kämpferisches Zurückhauen bis zum Gehtnichtmehr hat ihm einfach den Geschmack genommen für zukünftige Wiederholungen. Er wusste, was auf ihn wartete. Er hätte nie einen eindeutigen Sieg erhalten.

Das zweite Mal vor zwei Jahren im (Basler) Tram, als ich um Mitternacht im leeren Anhängerwagen von vier Jugendlichen Halbstarken als schon über fünfzigjährige Frau angegriffen wurde: ich gab wortlos Schienbeintritte zurück, verkniff den Mund, schaute das Pack mit verkniffenen Augen an, ging einen Schritt nach vorne und blieb stehen, fixierte die Typen stumm, versuchte, eine möglichst unverkrampfte Haltung zu bewahrten. Die vier schauten mich verdutzt an …  und liessen mich in Ruhe. Bei der nächsten Station verkniff ich mir, auszusteigen, den Wagen zu wechseln. Das wäre für das Pack psychologisch doch noch ein Sieg gewesen. Nein, ich blieb genau auf dem Platz stehen wo ich war, fast in Tuchfühlung (wobei die vier unter sich weiter alberten). Sie stiegen an der übernächsten Station aus, unter sich weiterblödelnd … ich war ihnen wohl langweilig geworden.

Selber bin ich überzeugt: hätte ich nur einen Ton von mir gegeben, mit greller Stimmer, wäre ich fertig gewesen. Ich glaube fest daran, dass die weibliche, hysterisch etwas hohe Stimme auf den Mann generell stimulierend wirkt. Die Franzosen nennen das exciter.

Und genau darum behaupte ich jetzt halt, sind die Frauen selber ’schuld’ … (ohä, das ist jetzt aber klar politisch unkorrekt) … auch wenn ihnen diese ganze Opferhaltung eingeimpft wurde (pardon, immer noch wird) …

Frauen werden in ihrem hysterischen Gekreische anerkannt, als echt weiblich richtig bestätigt, also führen sie sich danach auf. Auch wenn die ganze Frauenwelt Vergewaltigungen hinnehmen muss, darf die Rolle der weiblich zarten Frau (besonders bei nicht selber denkenden Frauen) nie hinterfragt werden. Weil gesellschaftliche Bestätigung ihrer Rolle wichtiger ist, je primitiver das Milieu, in dem das Mädchen aufwachsen muss. Ja, das behaupte ich jetzt.

Noch was: beiliegend ein Artikel über ein Tellen-Mädchen (nach dem Schweizer Helden Wilhem Tell). Die versteckte, als Lob dargestellte Verachtung ist eine Frechheit: solange es in den Köpfen normal scheint, dass (nur) Männer gewinnen, können sich (auch nicht selber denkende) Frauen nicht so verbissen genug wehren, dass den Männern der Geschmack an Vergewaltiger-Spielchen vergeht. Genau solche Artikel tragen zur Opferprogrammierung bei.

All diese Spielchen und Identifikationen gehören zu einem Ganzen, das man halt nicht gerne ändern möchte. Nicht genug, um es wirklich zu tun. Tut mir leid, mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Mit freundlichen Grüssen, Heidi

(alles, was in Klammern steht, ist jetzt, im 2011, von mir als Kommentar eingefügt).

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