Mein Schreibstuben-Blog

December 24, 2009

Leserbrief an Zyschtigs-Club /SF1 und Infosekta zur Esoterik-Debatte

Filed under: Leserbriefe, von mir an jemand — heidi @ 02:09

vom 12.9.2000 über Esoterik (mit Hugo Stamm u.a.):  

Sehr geehrte Damen und Herren,
Im Club machte die Gegenseite der Esoteriker, also Ihre Seite, zwei unkorrekte Aussagen:

  • Aussage 1: die Esoteriker reden von 12 statt von 2 DNS-Strängen (will sagen, sie glaubten, DIES SEI JETZT SO). Das stimmt nicht. Diese Behauptung zu den 12 Strängen stammt aus einem Channeling. Weil die daraus resultierenden Bücher hierzulande hohe Auflagen erreichten, kam dieser Gedanke als fester Begriff unters Volk. (Beilage 1: Auszug aus dem Buch von Barbara Marciniak: Boten des neuen Morgens, Verlag Bauer 1995).
  • Aussage 2: Jan van Helsing wird aus seinem in 150′000 Exemplaren verkauften Buch Geheimgesellschaften zitiert: … der Hitler ist wahrscheinlich mit einem sogenannten Vril-Flugkörper geflüchtet, nach dem System Aldebaran …  (und jetzt kommts dick): … und er wird zurückkommen und den Endsieg vollziehen, weil er uns dann erlöst von der geheimen Weltregierung, die vor allem jüdisch ist

Ich habe sofort in dem betreffenden Buch nachgeschaut und habe es jetzt zweimal ganz durchgelesen (darum antworte ich erst heute). Den obigen, fettgedruckten Teil Ihrer zitierten Passage habe ich nirgends gefunden. Was im Buch über Hitler gesagt wurde, finden Sie in Beilage 2 (S. 103-123, 136-137).

Sonst wird Hitler noch erwähnt:

  • - S. 130: Hitler lädt Victor Schauberger u.a. ein … arbeitet von da an mit ihnen zusammen;
  • - S. 124-153: allgemein im Zusammenhang mit der Thule- bzw. der Vril-Gesellschaft und mit Konstruktionsplänen von UFOs;
  • - S. 154: Hitler und Stalinpakt und Polen … und der Kommunismus;
  • - S. 221-222: dass Montagu Norman, brit. Zentralbankchef, ein Mystiker und Förderer Hitlers war;
  • - S. 229: Hitler und Robert D. Murphy treffen sich 1922.

Wenn Sie als Akademiker die Esoterik gleich schlampig zitieren wie Esoteriker mit der Naturwissenschaft umgehen, dann können Sie denen nichts vorwerfen.

Die fast unsichtbaren Zeichen scheinen so gesetzt, dass Sie noch öfters mit Hitler, den Nazis, der Esoterik und den UFOs konfrontiert werden (diese Ecke läuft erst an – {im Jahre 2000} – und dort ist eben NICHT einfach wieder nur billig alles Rechtsextremes). In diesem Sinne, damit Sie nicht bald nochmals aus dritter Hand zitieren müssen, empfehle ich Ihnen die GENAUE Lektüre des Buches von Karl Brugger, die Chronik von Akakor, Verlag Kopp 1973, Neuauflage 1999 …

Es stimmt, Jan van Helsing schreibt schwammig-ungenau, ungut über die Juden, was er in seinem späteren Buch unter seinem echten Namen Jan Udo Holey die Akte, Amadeus Verlag 1999, klarstellt.

3. Und jetzt noch eine Bitte an Sie: Ihre Hauptarbeit besteht doch darin, falls ich das richtig verstanden habe, dass die Menschheit nicht zu ihrem Nachteil von Mächten beeinflusst bzw. manipuliert wird, welche uns wieder in dogmatische, unterjochende, dumm machende Muster zwängt, welche eine freie Weiterentwicklung zum erwachsenen, selbstbewussten Menschen verhindern. Richtig?

Dann haben Sie Arbeit mit Beilage 3: immer wieder wird behauptet, im Laden verkaufte Musik sei unterschwellig mit negativen Subliminal-Suggestionen gefüllt (gemäss Liste der Beilage 3). Es gibt Methoden, die versteckten Subliminal-Botschaften auf Tonträgern ausfindig zu machen. Bitte lassen Sie diese Untersuchungen machen (und lassen Sie sich nicht abwimmeln).

Falls sich herausstellen sollte, dass diese Behauptung wahr ist, dann haben Sie eine Aufgabe vor sich, die wirklich Ihrem Niveau entspricht. Dann müssen Sie mutig auf die Wirtschaft los (gemeint sind: jene Produzenten).

4. Ich wünschte mir eine Institution, welche wirklich fähig ist, die Wahrheit in positiven Streitgesprächen zu suchen (auch wenn man sie nicht findet, analog zum Philo-Café). Mit so einer Tätigkeit könnten Sie einem echten Bedürfnis begegnen (Sie haben in Ihren Reihen doch gute Leute, Psychologen, Theologen und andere). Ich meine jetzt aber nicht nur diese ewigen Gespräche unter nur Akademikern, sondern auch solche mit gewöhnlich Sterblichen. So eine Art regelmässige Arena-Sendung mit geistigem Inhalt. Sie wären, glaube ich, perfekt dafür geschaffen.

5. Ein (Denk-) Fehler, (d.h. ein nicht exakter Standpunkt, der reine Glaubenssache ist, aber als reine Wahrheit vorausgesetzt und gehandhabt wird), also ein Fehler, der im Club beide Seiten machten (und überall gemacht wird) ist der unausrottbare Glauben, die Welt, der Schöpfer, die oberste Instanz etc. etc. SEI GUT! Das heisst, wir glauben felsenfest, der Ursprung sei gut und WIR seien das Böse, oder hätten es in uns, oder müssten es noch überwinden.

Darf ich daran erinnern, dass im Mittelalter die Katharer (und viele andere) behaupteten, SATAN habe diese Welt erschaffen und nicht Gott. Darauf hin wurden alle Ketzer, Abweichler, v.a. die Katharer, von den Armeen der Päpste niedergewalzt.

Wenn wir also heute vom Prinzip des Guten ausgehen, so nicht auf Grund unserer Weisheit, sondern weil unseren Vorfahren dies mit dem Schwert in den Kopf gehauen wurde. Und es scheint, wir dürfen dieses Tabu auch heute noch ja nicht durchbrechen, sonst wehe … doch eine Diskussion über Wahrheit muss Tabus ausräumen können.

Also, wie wäre es mit einem anderen Blickwinkel? Nur so mal.

6. Und noch etwas:

Die Art, wie Akademiker die EsoterikerInnen geringschätzig belächeln, meistens sind es ja gerade ältere Frauen ab 40 (damals im Jahre 2000!), finde ich total daneben.

Ich bin von dieser älteren Generation, ich ging damals in Basel noch in eine reine Mädchenklasse, Buben waren sogar in einem anderen Schulhaus. Nur zwei Mädchenklassen pro Jahr gab es im Gymmi (wurden zugelassen) – Achtung, für die ganze Stadt Basel!! Die Eltern mussten ihre Mädchen buchstäblich hineinboxen. Wir anderen wurden zurückgestuft. In die unteren Ränge.

Dort erklärten uns die Lehrer: ihr braucht keine Mathe, Chemie, Physik etc., ihr werden ja doch alle Mütter werden!

Wenn also diese damaligen Mädchen (heute als ältere Frauen) nicht wissenschaftlich denken, dann hat diese Elite ganz wesentlich dazu beigetragen! Und dann ist es schlicht dreckig, wenn heute genau diese Elite über genau diese heute ältere Frauengeneration spottet. Für etwas, worüber damals von ihr, über unsere Köpfe hinweg, für uns so bestimmt wurde!

Ich bin keine Esoterikerin, aber dieser kleinliche Krieg gegen EsoterikerInnen, der da geführt wird, ist menschenunwürdig. Dafür sollte sich diese Elite schämen.

Vielleicht geben Sie solches auch einmal zu bedenken. Oeffentlich.

Ich bin pensioniert und werde mir die Zeit nehmen, den ganzen Eso-UFO-Entführungs-Verschwörungs-Dschungel einmal zu durchforsten. Sobald wir diesen Winter (im im 2000) hier in Luzern das Kabel-Internet erhalten (sonst kommt es mich zu teuer). Vielleicht hören wir dann noch voneinander.
MfG.

Fazit heute, September 2011:

1): Ich habe nie eine Antwort erhalten, schon gar nicht von Infosekta, welche eine Kopie dieses Briefes erhielt.

2): 11 Jahren später, schein es, sind wir etwas lockerer geworden:

  • Angriffe gegen Sekten gibt es zwar hier und da noch, auch scheint man immer noch Mühe zu haben, wirklich MIT den Betreffenden die eigenen Blickwinkel auszutauschen.
  • Ich habe inzwischen weniger Angriffe gegen Esoteriker beobachtet, aber es scheint, Frauen schlagen auch viel tatkräftiger zurück, lassen sich nicht mehr derart beschämen.
  • Rechtsextremismus wird nicht mehr über quasi Religiöses bekämpft, heute geht es brutal physisch zu.
  • Positive Streitgespräche gibt es schon, aber das Niveau wird nicht besser, Hahnenkampf scheint immer noch der Hauptmodus zu bleiben.
  • Der ganze Eso-UFO-Entführungs-Verschwörungs-Dschungel ist unendlich … also, inzwischen lasse ich ihn unendlich sein, wo er ist. Eigentlich schade, darin sind noch Perlen verborgen … dann bleibt halt noch etwas für spätere Schatzgräber.

3): Und noch eine Bemerkung zu meinen Speicher-Daten: Alle Leserbriefe sind nur ein Nebenprodukt dieses Blogs und werden alle konsequent nur im Dezember 2009 gespeichert. Die Jahre 2010 und 2011 ff dienen mir ausschliesslich als privat gehaltene Schreibstube. Alle veröffentlichten Schreibprodukte  werden zwischen 2008 und 2009 gespeichert.

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