Mein Schreibstuben-Blog

August 17, 2016

08-2017

Filed under: all-täglich-neu — heidi @ 08:51

eine Geschichte in meinem Kopf … und mein dazu tief  im Bauch entstehender Kommentar:  

…ich schnalle meinen Taschenjet- Gürtel um die Taille und fliege gleich von meiner Terasse im 145. Stock los. Schon zeigt sich ein bläulicher Dunst im Osten, in einer Stunde geht die Sonne auf, ich will mich beeilen.

Straks gegen Norden fliegend aktiviere ich jene Seifenblase, die mich als Energiekugel um mich herum gegen Kälte schützt, aber auch genug Sauerstoff liefert, je  höher die Reise geht … und  lande auf einem – um diese Zeit noch fast immer menschenleeren – höchsten Nebengipfel des Himalaya. Der Streifen am Horizont wird heller.

Doch, die Geschichte gefällt mir, vielleicht erzähle ich sie anderen. In unserer Gesallschaft gehört es zum guten Ton, anderen Freude zu machen. Je mehr Freude du um dich herum verbreitest, umso angesehener bist du. Und ich will einen guten Platz in meiner Gesellschaft.

Während ich noch dasitze, daheim in meinem Fauteuil, im Kopf auf meinem Berg früh am Morgen, sehe ich plötzlich beide Heidis gleichzeitig. Jene, also mich selber, die sich im Fauteuil wälzt, und jene kurz vor Sonnenaufgang auf dem Berg. Doch, beide gleichzeitig. Ich sehe das mehr gedachte Bild in einer Ecke meines Kopfes, und gleichzeitig in einer anderen Ecke das mehr gefühlte Bild, aber beide sind einander überlagert, sind eben gleichzeitig da.

Jetzt bin ich der Betrachter von mir selber, von allen Aspekten von mir. Vom Wunsch, auf dem Berg zu sein, und von den Gesetzen der physischen Realität an meine Wohnung gefesselt. Gleichzeitig fühle ich meinen Wunsch als drängende Energie und die bewegungslose Inertie des Daseins. Der Ist- und der Soll-Zustand. Diese innere Energie will hinaus, sich verbreiten, weiterentwickeln. Ich bin nicht nur ein hier sitzender, sogenannt vernüftiger Mensch. ich bin auch die Realtät dieser geträumten Geschichte.

Mehr und mehr weiss ich, ich begnüge mich nicht mit dieser lieblichen Geschichte, ich will diese real erleben dürfen. Ich weiss es, ausserhalb unseres Planeten leben intelligente Wesen, mit genug Technik für eine morgendliche Meditation auf einem Berggipfel. Es GIBT sie, also warum bin ich hier, als Regenwurm auf einem Boden klebend, der mitten im Universum durch Zeit und Raum rast? Warum?

Es ist nicht richtig, sich im Kopf mit Bildern abspeisen zu müssen, während auf unserem realen Everest der Sonnenaufgang naht.

Ich will dort sein, ich weiss, ich habe darauf mein Recht. Wenn ich mich mit der Geschichte in meinem Kopf zufrieden gebe, betrüge ich mich um meine gelebte Realität. Dann lasse ich mich mit Brosamen abspeisen, wo doch eine ganze Festmahlzeit auf mich wartet. Auf mich, auf uns alle, irgendwo da draussen.

Wenn ich mich mit Geschichten abspeisen lasse tue ich nichts. Jedem in unserer Menschheit eine Morgenmeditation auf dem Everest möglich zu machen, muss aber realisiert werden.

Ich weiss, die meisten Erdenmenschen geben sich mit Brosamen zufrieden. Sie nennen das geübte Bescheidenheit. Das aber ist Verrat am eigenen Leben.

Wenn ich also all die schönen Geschichten in meinem Kopf gut serviert weitererzähle, betrüge ich nicht nur mich selber, sondern  alle meine Mitmenschen, welche sich bereitwillig mit so wenig abspeîsen lassen.

Nein, ich werde diese Geschichte nicht weiter ausbauen.

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