Mein Schreibstuben-Blog

December 20, 2008

Ghetto Erde

Filed under: mein Kommentar — heidi @ 02:11

Dieser Planet, von den Bewohnern Erde genannt, ist ein Ghetto. Ein hundert prozentiges Ghetto.  Es ist  ein vom Grossen Ganzen abgespaltener Teil, der in sich selber abgekapselt autark vor sich hindümmelt.

Ein 100% Ghetto ist der Ort, wo ein räumlicher Fluchtversuch nicht einmal mehr glaubhaft gemacht werden kann. Ein solcher muss virtuell fixiert werden, in Mythen, in Prophezeiungen, als Belohnung im Versprechen eines besseren Lebens nach dem Tod. Ein physischer Ausbruch könnte auch mit Hilfe von Raumfahrer Technologie glaubhaft gemacht werden, was bei einer Gesellschaft ohne jede Wissenschaft nicht vorstellbar ist. Oder falls möglich, um auf eine solche Raumfahrt auch nur hoffen zu können, muss man zu einer Gruppe Menschen gehören, denen dies zugänglich gemacht, also von den jeweiligen Machthabenden gestattet wird.

In Bezug auf das Universum bleibt dieser Planet somit ein geistig selbstgemachtes Ghetto.

Das Ghetto ist auch nach innen fest zementiert, in einzelne Gruppen aufgeteilt. Der Boden ist gesellschaftspolitisch besetzt, geographisch in Besitz unter Machthaberfamilien oder Volksgruppen aufgeteilt. Die Grenzen werden laufend inFrage gestellt und meistens in Kriegen verteidigt resp. neu erobert. Dass die Wirtschaft, dass Finanzimperien grobe Kriege zum Teil ersetzen, ändert nichts am Ganzen.

Das Kriegshandwerk ist somit ein wichtiger Teil des alltäglichen Lebens, was den Männer erlaubt, die Frauen zu dominieren. Und je mehr Krieg den Alltag bestimmt, je unsicherer die Grenzen für eine Gruppe sind, desto mehr unterliegen die Frauen in allen gesellschaftichen Fragen.

Konsequenz: die Regeln des Zusammenlebens einer Gruppe müssen fixiert werden, diese verordnete Rechtssituation kann neue Lebensexperimente, neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht mehr dulden, können also nicht mehr unbehelligt auf dem den Machthabern gehörenden Grundstück durchgeführt werden. Die Gruppen nehmen damit autistische Züge an und die Menschen verhalten sich mehr oder weniger  ausgeprägt zwangsneurotisch (= sie werden automatisch zu Sekten).

Mit dieser Haltung wird ein wichtiges Bedürfnis jeder Gesellschaft unterdrückt: das sich automatische Erneuern des Kollektivs durch das Entstehen lassen von neuen, öffentlichen Gesellschaftsformen. Wenn solche sich in einem geistigen Ghetto wie dieses Planeten Erde bilden, wird diese neue Gruppe als Verrat am Hergebrachten verstanden, die Mitglieder der neuen Gruppe können jeden Rechtsstatus verlieren, was vom Willen, oder Geschick, oder der Zielsetzung der jeweiligen örtlichen Machthaber abhängt, die gegen eine solche Gruppe Progrome inszenieren können.

*****

Viele Menschen haben ihre Energie in die einzige noch verbleibende Fluchtmöglichkeit investiert: in eine mythische, geistige, spirituelle Aussenwelt, in ein Leben nach dem Tode. Solche Mythen werden von Machthabern seit langem bewusst gesäht, ja aufgezwungen als Religion, Verheissung, Belohnung, oder der Drohung einer ewigen Hölle. Dabei merken die Bedrohten kaum, dass sie gerade in der Hölle sind, nur schon deshalb, weil es gesellschaftlich einem Machthaber gestattet wird, eine solche Drohung überhaupt nur auszusprechen.

In einem nichtphysischen Jenseits ist dem Einzelnen oder der ganzen Gruppe eine besseren Identität erlaubt, kann so etwas wie Unendlichkeit risikolos gefühlt werden, was einzelnen tatsächlich noch gelingt. Die grosse Mehrheit jedoch bleibt auf der zwangsneurotischen Stufe stecken, der Einzelne kann in seinem spirituellen Verständnis das unendlich sein nicht mehr physisch erleben, verliert somit die nötige psychische Offenheit, um Weiterentwicklung in Frieden überhaupt zu ermöglichen.

Und solange im physischen Raum für die meisten Menschen eine physisch erlebte spirituelle und mentale Unendlichkeit verschlossen bleibt, also deren Möglichkeiten nicht erlebt und ausgeschöpft werden kann, oder nur als Mythos besteht, muss kompensiert werden. Kompensation aber heisst, dass das, was man gerade nicht hat, erarbeitet oder erobert werden muss. Heute denkt man nicht einmal mehr in solchen Parametern.

Der Verteilungskampf um Besitz und Macht kann also nur unerbittlich sein. Uebrig bleiben physische Abkapselung, fest verteidigte Grenzen in allen Bereichen, was schon im Kindesalter zwischen Geschwistern anfängt, bleibt nur die Sicherheit vertrauter Gewohnheiten … auch eine Grenze. Ein Beweis, dass das Opium Religion für das Volk nicht nur Ursache, sondern auch Zuflucht bleibt. Ein Teufelskreis.

Krieg und Unrecht wird auf diesem Planeten erst aufhören, wenn nicht mehr das geistig Verlorene kompensiert werden muss, also wenn die Unendlichkeit mit all ihren virtuellen Möglichkeiten zum festen Alltag aller Bewohner, ohne Ausnahme, wieder gestattet respektive ermöglicht wird. Hochtechnologie, für jeden erreichbar und anwendbar, ist dazu unerlässlich (bitte selber denken, warum).

Fazit: solange HIER nichts ändert, können wir Reförmchen noch und noch inszenieren, wir fallen immer wieder in die gleich alten, vor Urzeiten schon aufgestellten Fallen. Fallen, die wir selber in uns herumtragen und weiter vererben, in die nächste Generation hineinmischen.

(in den 80er Jahren geschrieben, am 7. Mai 2011 aufgemöbelt … und am 1. Juni 2011 noch Grammatik korrigiert).

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